Kategorie: Aktuelles

GKV blockiert Finanzierung – Psychotherapie-Nachwuchs in Gefahr

PRESSEMITTEILUNG

Unith e.V.: Ohne Finanzierung der Weiterbildung droht Psychotherapie-Versorgungskollaps – GKV-Positionspapier verschärft Krise

Berlin, 12. August 2025 – Der Berufsnachwuchs in der Psychotherapie steht vor nahezu unüberwindbaren Hürden: Der GKV-Spitzenverband lehnt die Finanzierung der neuen Weiterbildungsgänge strikt ab – und gefährdet damit die psychische Gesundheitsversorgung von morgen. „Ohne eine verlässliche Finanzierung der Weiterbildung wird es nicht annähernd genug Weiterbildungsplätze geben – und das bei wachsendem Bedarf an Psychotherapie. Wer heute nicht investiert, riskiert morgen eine massive Versorgungslücke“, warnt Prof. Dr. Rudolf Stark, Vorstandsvorsitzender von unith e.V.

Mit der Reform des Psychotherapeutengesetzes wurde ein neues Weiterbildungssystem eingeführt, das vorsieht, dass Weiterbildungskandidat*innen bei angemessener Bezahlung in Vollzeit beschäftigt werden. Dieses Gehalt lässt sich im Rahmen der aktuellen gesetzlichen Krankenkassenvergütung jedoch nicht refinanzieren. Die kategorische Ablehnung jeglicher Kostenbeteiligung durch den GKV-Spitzenverband macht die neue Weiterbildung in der Regelversorgung praktisch unmöglich.

Für universitäre Weiterbildungsinstitute stellt sich damit die Frage, wie unter diesen Bedingungen künftig wissenschaftlicher Nachwuchs eine psychotherapeutische Weiterbildung absolvieren soll – eine zwingende Voraussetzung für jede universitäre Beschäftigung im psychotherapeutischen Bereich.

„Das GKV-Positionspapier blendet die Realität völlig aus – und ignoriert bewusst die Bedingungen, unter denen in Zukunft Psychotherapeut*innen weitergebildet werden“, so Stark weiter.

Unith e.V. fordert:

  • Verlässliche, öffentlich finanzierte Strukturen zur Umsetzung der Weiterbildung – insbesondere für universitäre Ausbildungsstätten und anerkannte Institute
  • Planungssicherheit und angemessene finanzielle Ausstattung für die Träger der ambulanten Weiterbildung
  • Eine klare gesetzliche Grundlage, die Zuständigkeiten und Finanzierungspflichten für Hochschulen, Institute und Kostenträger verbindlich regelt

Die Fachkräfte von morgen dürfen nicht länger die strukturellen Versäumnisse von heute ausbaden. Eine zukunftsfähige psychotherapeutische Versorgung beginnt mit einer gerechten Finanzierung der Weiterbildung – jetzt.

Kontakt:
Anna Zreik
Pressereferentin unith e.V.
presse@unith.de

5. Deutscher Psychotherapie Kongress in Berlin

Der 5. Deutsche Psychotherapie Kongress findet vom 8. bis 12. Juni 2026 im Estrel Hotel Berlin statt – ab sofort können Workshops eingereicht werden.

Der DPK hat sich als zentrale Plattform für den Austausch zwischen Forschung, Praxis, Ausbildung, Gesundheitspolitik und Öffentlichkeit etabliert. Unter dem Leitthema „Wissenschaft und Praxis im Dialog: Erkenntnisse nutzbar machen, Versorgung nachhaltig verbessern“ widmet sich der Kongress einem bislang wenig fokussierten, aber entscheidenden Bereich: dem Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in die psychotherapeutische Versorgung – und dem Rückfluss praktischer Erfahrungen in die Forschung.

Ein vielfältiges Programm mit internationalen Keynotes beleuchtet aktuelle Entwicklungen – von digitaler Jugendgesundheit über skalierbare Interventionen bis hin zu community-basierten Ansätzen und kritischen Perspektiven auf Psychopharmaka.

Wir freuen uns auf ein inspirierendes Programm, lebendigen Austausch und vielfältige Perspektiven – für eine zukunftsfähige, partizipative und wissenschaftlich fundierte Psychotherapie. Alle Informationen zur Einreichung und Teilnahme finden sich auf der Kongresswebsite.

GKV bremst Psychotherapie-Weiterbildung: unith e.V. warnt vor Versorgungsnotstand

PRESSEMITTEILUNG

Frankfurt am Main, 11.Juli 2025. Der Dachverband der universitären Aus- und Weiterbildungsambulanzen und Hochschulambulanzen, unith e.V. kritisiert die aktuelle Position der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) zur psychotherapeutischen Weiterbildung scharf. Der GKV-Spitzenverband hatte am 26.06.2025 bekanntgegeben, die Finanzierung der Weiterbildung über die bisherigen Therapieleistungen hinaus strikt abzulehnen.

„Die Haltung der Kassen ist verantwortungslos“, erklärt Prof. Dr. Rudolf Stark, Vorsitzender von unith. „Ohne eine solide Finanzierung kann die dringend benötigte neue Weiterbildung nicht starten. Damit wird jungen Psychotherapeut:innen der Weg in die ambulante Versorgung blockiert – mitten in einer Zeit, in der psychische Erkrankungen stark zunehmen.“

Hintergrund ist die Reform der Psychotherapeutenausbildung von 2020, die eine neue, verpflichtende Weiterbildung für angehende Fachpsychotherapeut:innen vorsieht. Der Start verzögert sich jedoch, weil bislang unklar ist, wie diese finanziert werden soll.

Unith weist darauf hin, dass bereits jetzt zahlreiche Absolvent:innen der neuen Studiengänge in der Warteschleife stecken – ohne Perspektive, in die Versorgung einzusteigen. „Die Weigerung der Kassen, Verantwortung zu übernehmen, gefährdet die psychotherapeutische Versorgung von morgen“, so unith.

Kritik an Plänen zur „Versorgungssteuerung“
Auch die stellvertretende Vorsitzende Dr. Heike Winter kritisiert die Steuerungspläne der Krankenkassen scharf. Der GKV-Spitzenverband fordert unter anderem, die Zahl der Psychotherapeut:innen zu begrenzen und mehr verpflichtende Gruppentherapien einzuführen. „Damit würden die ohnehin viel zu langen Wartezeiten auf einen Therapieplatz weiter steigen – mit gravierenden Folgen, vor allem für Kinder und Jugendliche“, warnt Winter. Gruppentherapien seien zwar günstiger für die Kassen, aber längst nicht für alle Patient:innen geeignet oder wirksam.

Zudem sollen laut den Kassen künftig mehr Therapieplätze ausschließlich über die Terminservicestellen vergeben werden. „Das beschneidet das Recht der Patient:innen auf freie Therapeut:innenwahl – und das ausgerechnet in einem so sensiblen Bereich wie der Psychotherapie“, betont Stark.

„Diese Vorschläge gehen klar zulasten der Patient:innen“, warnt unith. „Menschen mit psychischen Erkrankungen brauchen individuelle Hilfe – keine zentral gesteuerte Zuweisung oder Einschränkungen.“ Besonders kritisch sieht unith auch den Plan, die Vergütung der Psychotherapeut:innen zu kürzen und Sonderregelungen bei Honoraren zu streichen.

Appell an die Politik
Unith ruft die Politik auf, die unsinnigen und patientenschädigenden Forderungen der Krankenkassen entschieden zurückzuweisen und eine faire Finanzierung der Weiterbildung endlich sicherzustellen. „Es braucht jetzt klare politische Entscheidungen für eine zukunftsfähige psychotherapeutische Versorgung – und zwar im Sinne der Patient:innen, nicht der Kostenträger“, fordert der Verein.

Pressekontakt:
unith e.V.
Anna Zreik
Pressereferentin
presse@unith.de