Kategorie: Aktuelles

„Wissenschaftskompetenz“ jetzt Teil der Weiterbildung

Auf Initiative des Vorstands von unith e.V. hat der Psychotherapeutentag in Stuttgart am 14. Mai 2022 folgende Formulierung in die Liste der Kompetenzen der
Musterweiterbildungsordnung (MWBO) aufgenommen:

„Vertiefte Kenntnisse über Planung und Durchführung sowie Beurteilung
wissenschaftlicher Studien zu Grundlagen psychischer Störungen, zur Evaluation, zur
Anwendung psychotherapeutischer Interventionen sowie zur Versorgungsforschung
und zur Integration der Befunde in die psychotherapeutische Praxis.“

Dies ist, neben den weiteren Kriterien, ein wichtiger Bestandteil der zukünftigen Aus- und Witerbildung.

Konferenz „Allianz gegen Gewalt“

Aktuelle Studienergebnisse und Erfahrungsberichte aus dem Kinder- und Jugendschutz sowie der Familienhilfe unterstreichen, was bereits vor dem Beginn der Pandemie deutlich war: 
Gewalt, Vernachlässigung, Misshandlung und Missbrauch in Kindheit und Jugend geht uns alle etwas an.

Daher haben haben sich sieben Projekte in einem vom BMBF geförderten Netzwerk zusammengeschlossen und forschen seit 2019 an deutschlandweit insgesamt 30 universitären und außeruniversitären Einrichtungen zu dem Thema „Verhaltensstörungen im Zusammenhang mit Gewalt, Vernachlässigung, Misshandlung und Missbrauch in Kindheit und Jugend“. Ein Fokus der Forschungsarbeit liegt auf der Entwicklung und Evaluation neuer, evidenzbasierter Behandlungs- und Präventionsmethoden.

Um die Vernetzung unserer Forschungsarbeit mit den praktisch tätigen Berufsgruppen, den Betroffenen und auch den politischen Entscheidungsträger:innen zu stärken, findet am 13. September 2022 in Berlin die interdisziplinäre Workshopkonferenz „Gemeinsam stark! Allianz gegen Gewalt und Vernachlässigung und deren Folgen“ statt. 

In praxisnahen Formaten (Workshops, Zukunftswerkstätten, Open Space) wird die Möglichkeit gegeben sich auszutauschen und voneinander zu lernen. Das Ziel ist es, die Unterstützung für Betroffene durch bessere Zusammenarbeit effizienter zu gestalten und mögliche Maßnahmen dafür zu formulieren.

Mehr Informationen zur Konferenz und Anmeldung finden Sie hier: https://www.allianz-gegen-gewalt.de/home


Studie: Defizite in der Versorgung von Depressions-Patienten

Die Defizite in der Versorgung von Depressions-Patient*innen sind riesig – das zeigt eine landesweite Studie der AOK Niedersachsen.

Mithilfe von Expert*innen der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), der Leibniz Universität Hannover und der Ostfalia Hochschule Wolfsburg wurden für das Jahr 2018 die Daten von mehr als 285.000 Menschen mit einer diagnostizierten Depression ausgewertet.

„Besonders auffällig ist, dass von den Patienten mit einer schweren Depressionsdiagnose nur 40 Prozent Kontakt zu einem spezialisierten Facharzt hatten“, sagt Prof. Dr. Kai G. Kahl, leitender Oberarzt der Klinik für Psychiatrie, Sozialpsychiatrie und Psychotherapie an der MHH und Co-Autor der Studie. „Nur etwa jeder zehnte Patient erhielt eine umfassende psychotherapeutische Versorgung nach Psychotherapie-Richtlinie.“

Patient*innen mit Depressionsdiagnose waren der Studie zufolge im Mittel 58 Jahre alt, zwei Drittel waren weiblich. Etwa 78 Prozent der Betroffenen suchten als erste Anlaufstelle den Hausarzt auf. Jede*r fünfte Patient*in befand sich in Behandlung bei einem spezialisierten Facharzt wie Psychiater oder Nervenarzt. Besonders auffällig: Nur jede*r 20.Patient*in hatte Kontakt zu einer psychologischen Psychotherapeutin oder einem psychologischen Psychotherapeuten.

Eine antragspflichtige psychotherapeutische Behandlung wie eine tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie oder Verhaltenstherapie bekamen nur 6 Prozent der Patient*innen. 42 Prozent der Betroffenen wurden Antidepressiva verschrieben.

Die Ergebnisse der Studie wurden im Deutschen Ärzteblatt veröffentlicht.