Kategorie: Aktuelles

Beschlüsse des DPT

Fragen und Antworten zu koordinierender Funktion und Kooperation der Weiterbildungsstätten

Die Bundesdelegiertenversammlung der Bundespsychotherapeuten Kammer hat auf dem Deutschen Psychotherapeuten Tag (DPT) am 20.11.2021 mit 77% dem Antrag zugestimmt, der nun in die MWBO eingefügt wird:

Neuer Absatz in § 2 (bisherige Absätze 2 – 5 blieben erhalten und folgen dann neu als Absätze 3 – 6):
„Weiterbildungsinstitute sind Weiterbildungsstätten, die neben der psychotherapeutischen Behandlung weiterbildungsstättenübergreifend Theorie, Selbsterfahrung und Supervision durchführen“.

Weiterhin wird ein § 14 neu eingefügt (bisheriger § 14 und folgende bleiben erhalten und schließen sich als §§ 15 ff. an):

 § 14 Kooperation mit Weiterbildungsinstituten
 (1) 1Weiterbildungsstätten können mit Weiterbildungsinstituten einen Kooperationsvertrag zu dem Zweck schließen, die Theorie, die Selbsterfahrung sowie die Supervision in die gesamte Weiterbildung oder in die jeweiligen Weiterbildungsabschnitte zu integrieren. 2Erstreckt sich der Kooperationsvertrag auf mehrere Weiterbildungsabschnitte, ist sicherzustellen, dass Psychotherapeut*innen in Weiterbildung die jeweils vorgeschriebene Weiterbildung in den einbezogenen  Weiterbildungsabschnitten aufeinander abgestimmt ableisten können. 3§ 13 Absätze 4 und 5 bleiben unberührt.

(2)1Psychotherapeut*innen in Weiterbildung, die das Angebot einer Kooperation nach Absatz 1 für sich in Anspruch nehmen wollen, schließen einen Weiterbildungsvertrag mit den Kooperationspartnern über die Durchführung ihrer Weiterbildung ab, der die Details der Weiterbildung regelt.

Was bedeutet das nun im Detail?

Sind die geplanten Regelungen mit den Heilberufe-Kammergesetzen der Länder kompatibel?

Kooperationen zwischen Weiterbildungsstätten werden meist in den Heilberufe-/Kammergesetzen explizit als Möglichkeit, die Weiterbildung zu organisieren, genannt. Eine explizite gesetzliche Definition des Begriffs „Weiterbildungsinstitut“ als Kennzeichnung von Weiterbildungsstätten, die solche Aufgaben einrichtungsübergreifend anbieten, ist dafür nicht notwendig. Die Einführung des Weiterbildungsinstituts in der MWBO, das einrichtungsübergreifend Koordinierungsleistungen erbringt, ist eine fachliche Entscheidung, die auf Länderebene auch unter den dort geltenden Heilberufe-/Kammergesetzen umgesetzt werden kann. Die Unterstützung der Intention, durch Kooperation zwischen Weiterbildungsstätten die Qualität der Weiterbildung erhöhen zu wollen, wird jedoch ggf. auch ein Impuls sein, diese besonderen integrierenden Formen einer Weiterbildungskooperation auch in die Heilberufe-/Kammergesetze zu übernehmen.

Könnten Weiterbildungsstätten, die die gewollten Funktionen von Weiterbildungsinstituten nicht anstreben, sich dennoch „Institut“ nennen?

Der Begriff „Institut“ ist rechtlich nicht geschützt. Der Institutsbegriff kann daher nach wie vor von Einrichtungen, die sich bisher Institut nennen, weiterhin geführt werden. Lediglich der Begriff „Weiterbildungsinstitut“ im Sinne der MWBO bliebe jenen Weiterbildungsstätten vorbehalten, die gemäß der im Antrag vorgeschlagenen Definition weiterbildungsstättenübergreifend wirken.

Wenn im Sinne der MWBO Weiterbildungsinstitute etabliert würden, stünde dann die Finanzierung der dort vorgesehenen Leistungen (Theorie, Supervision, Selbsterfahrung) nur diesen zur Verfügung? Hätten andere Weiterbildungsstätten (die nicht Institute sind, jedoch die Leistungen vorhalten) dadurch einen finanziellen Nachteil?

Nein. Die weiterbildungsrechtliche Einführung des Begriffs „Weiterbildungsinstitut“ als Kennzeichnung einrichtungsübergreifend koordinierender Weiterbildungsstätten hat keine Auswirkungen auf die Vergütung vertragsärztlicher Leistungen, die unabhängig von dieser koordinierenden Funktion von Weiterbildungsinstituten an die dafür zugelassenen Leistungserbringer erfolgt. Die Verhandlung mit den Krankenkassen hinsichtlich der Finanzierung von weiteren Leistungen (Vermittlung von Theorie, Selbsterfahrung, Durchführung von Supervision) erfolgt für die entsprechenden Leistungen und ist nicht abhängig von der Einrichtung, die diese erbringt.

Mit der vorgeschlagenen Einführung eines Weiterbildungsinstituts in der MWBO wird hervorgehoben, dass Weiterbildung mehr als nur Berufstätigkeit in der Versorgung bedeutet, sondern dass auch die fachgerechte Organisation und Strukturierung von Lehrleistungen eine Aufgabe ist, die finanziert werden muss. Das stärkt die Verhandlungsposition für eine nach wie vor nicht gesicherte Finanzierung der Weiterbildung für alle Weiterbildungsstätten.

Weitere Ausführungen zur juristischen Begründung und zur formalen Struktur der beantragten MWBO-Änderungen finden sich bei Rainer Hess: Gutachterliche Stellungnahme zu den rechtlichen Möglichkeiten der Integration des Rechtsinstituts eines ‚Weiterbildungsverbundes‘ in die von der BPtK beschlossene Musterweiterbildungsordnung, vom 23.7.2021; https://www.dgvt.de/fileadmin/Gutachtliche_Stellungnahme_RA_Hess.pdf

Unicef Bericht

Unicef-Bericht: Alle elf Minuten nimmt sich ein junger Mensch das Leben

Der aktuelle Bericht des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen Unicef zeigt erschreckende Zahlen: In der Altersspanne zwischen 15 und 19 Jahren ist Suizid die vierthäufigste Todesursache. Weltweit nehmen sich jedes Jahr rund 46.000 Jugendliche das Leben. Doch während die Ursachen deutlich sind, bleiben die Betroffenen aufgrund mangelnder Therapieplätze auf der Strecke.

Fast zwei Jahre nach dem Beginn der Corona Pandemie sind die Belastungen für das psychische Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen nach wie vor schwerwiegend. Jeder fünfte befragte junge Mensch zwischen 15 und 24 Jahren gab an, sich häufig deprimiert zu fühlen, wenig Interesse an Dingen zu haben oder wenig zu unternehmen. In Deutschland sagte dies einer von vier befragten jungen Menschen.

Doch bereits vor Corona stand es um die Behandlung psychischer Störungen bei Kinder und Jugendlichen schlecht:

„Es fehlen schlichtweg die Therapieplätze“, so Prof. Dr. Thomas Fydrich, Vorstandsvorsitzender von unith e.V. „Einen freien Therapieplatz zu finden ist mit sehr langer Wartezeit verbunden, was oftmals die psychische Belastung weiter verschärft. Hinzu kommt, dass viele Kinder und Jugendliche keinen direkten Zugang zu Behandlungsmöglichkeiten haben. Es bedarf dringend niedrigschwelliger Angebote; zumindest für eine initiale Beratung der betroffenen Eltern und Kinder“, fordert Fydrich.

Den Bericht von Unicef können Sie hier lesen.

Deutscher Psychotherapie Kongress in Berlin

„Vielfalt, Innovation und Evidenz“  – unter diesem Motto wird die Fachgruppe Klinische Psychologie und Psychotherapie gemeinsam mit unith e.V. vom 07. – 11.06.2022 den ersten Deutschen Psychotherapie Kongress in Berlin ausrichten.

Für die Weiterentwicklung des Fachs ist die Grundlagen-, Inter­ventions- und Versorgungsforschung essentiell. Neben den einschlägigen DGPs- und unith-Mitgliedern richtet sich der Kongress an die gesamte Psychotherapielandschaft und möchte die Vielfalt der wissenschaftlich orientierten Psychotherapieansätze präsentieren und diskutieren.

Es wird fachpolitische Diskussionen zu aktuellen Entwicklungen und Herausforderungen unseres Fachs (z.B. rund um das Thema Weiterbildung) und Zukunftsvisionen zur Psychotherapie, sowie Symposien zu relevanten Themen der Klinischen Psychologie und deren Verantwortung bei  gesellschaftlichen Herausforderungen geben. Als Keynote Speaker konnten Frau Prof. Dr. Silvia Schneider, Bochum, Herr  Prof. Dr. Ralph Hertwig, Berlin und Herr Prof. Dr. Geoffrey Reed, New York, gewonnen werden.

Die Veranstalter*innen des Kongress wollen neue Perspektiven entwickeln: So wird es erstmalig eine Veranstaltung geben, die sich (neben dem Fachpublikum) besonders an die Öffentlichkeit richten wird. Außerdem werden zeitgemäße Entwicklungen aufgegriffen: Zum ersten Mal werden die Poster in einem digitalen Format präsentiert und diskutiert werden.

Aktuelle Informationen finden Sie unter: www.deutscher-psychotherapie-kongress.de